Zur mobilen Version

Navigation einblenden

EUROPÄISCHE KULTURTAGE




23. EUROPÄISCHEN KULTURTAGE – WANDERUNGEN

8. – 24.4.16 GROSSES HAUS, KLEINES HAUS, STUDIO, INSEL

Wanderungen – das ist ein wandelbares Wort. Die Wörterbücher unterscheiden zwischen zweckfreiem und zweckgebundenem Wandern. Wanderer bestehen in unseren Breiten darauf, dass sie nicht zweckfrei unterwegs sind wie die Spaziergänger, die Flaneure, die Bummler. Sie haben festes Schuhwerk und ein festes Ziel, immer einen Plan und meistens eine Wanderkarte. Zweckgebundenes Wandern geht mit Glück und Leid einher: Auf der Suche nach Arbeit wandern Menschen ab, auf der Flucht vor Hunger, Krankheit, Krieg, Verfolgung setzen sich Flüchtlingsströme in Bewegung, sie werden beantwortet von Heereswanderungen, im Rückblick erscheinen sie als Völkerwanderungen.
Um Wanderungen in diesem Spannungsfeld zwischen Heimat und Fremdheit, Kultur und Geschichte veranstalten das STAATSTHEATER und die Stadt Karlsruhe die 23. EUROPÄISCHEN KULTURTAGE. Eröffnet wird das Festival am 8. April 2016 im Tollhaus mit kurzen Beiträgen der Partner. Zwei Wochen und drei Wochenenden lang nehmen die Kulturinstitutionen der Stadt jeweils auf ihre Weise Stellung zum Thema „Wanderungen“ und zu politischen und künstlerischen Fragen und Geschichten. ...mehr

Das vollständige Programm der 23. EUROPÄISCHEN KULTURTAGE 2016 finden Sie unter www.europaeische-kulturtage.de.

 

Im STAATSTHEATER beginnt das Festival mit der Neuinszenierung der Troerinnen des Euripides, „das erste, vom Geist des humanistischen Pazifismus geprägte Drama Europas“,wie es der Tübinger Altphilologe Walter Jens nannte. Am Ende des Trojanischen Krieges sind die Helden der Stadt tot, deren Frauen sollen als Kriegsbeute aufgeteilt und in die Fremde, nach Europa, verschleppt werden.
Der Grieche Odysseus hat den Krieg überlebt, aber der Sieger kommt nicht so schnell wieder in die Heimat, wie er sich das erträumt hat. Zehn Jahre wird seine Wanderung dauern, das Urbild aller Irrfahrten. In der Landeserstaufnahmestelle in Karlsruhe stranden zurzeit täglich Flüchtlinge aus aller Welt. Das JUNGE STAATSTHEATER ist in ein Herkunftsland gefahren, das Kosovo. Zusammen mit Theatermenschen aus Pristina schaut es auf den Mythos Odyssee.
Der Völkermord an den Armeniern von 1915 bis 1922 war der erste Genozid des 20. Jahrhunderts und setzte eine große Wanderungsbewegung nach Europa und in die Welt in Gang. Das SCHAUSPIEL zeigt den großen Roman von Franz Werfel in der Bearbeitung Die Kinder des Musa Dagh von Ferdinand Bruckner. Der Mord an den europäischen Juden wird im Tagebuch der Anne Frank exemplarisch erlebbar. Reginaldo Oliveira setzt sich in seiner Uraufführung für das STAATSBALLETT mit der Biografie von Anne Frank auseinander und weitet den Blick auf aktuelle Fragen von Vertreibung und Flucht.
Gewalt ist Auslöser von unfreiwilligen Wanderungen. Wird wirklich alles immer schlimmer, gewalttätiger? Diese landläufige Meinung versucht der amerikanische Forscher Steven Pinker in seinem Buch Gewalt zu widerlegen. Karlsruher Bürger machen aus dem Material einen philosophischen VOLKSTHEATER-Abend.

Navigation einblenden