AUF KOLONOS
Premiere
22.03.2012 KLEINES HAUS
„Was für eine Gegend? Welchem Gott gehört sie?“ Ein Fremder landet an einem Ufer, das ihn erst abweist und dann aufnimmt. Was hat er diesem Land zu geben, in dem er Zuflucht sucht? Unter welchen Bedingungen wird er aufgenommen? Ödipus auf Kolonos ist das letzte Werk des antiken Dichters Sophokles und nach König Ödipus und Antigone die Vervollständigung seiner Bearbeitung des Ödipus-Mythos. Der blinde, von Theben ausgestoßene Ödipus findet nach lebenslanger Wanderung eine Zuflucht auf Kolonos, im heiligen Hain der Eumeniden, der früheren Rachegöttinnen und jetzigen Schutzgeister Athens. Der „schuldlos Schuldige“ sucht Schutz und einen Ort zum Sterben. Dem Herrscher Athens, Theseus, verspricht er Glück, wenn dieser ihm gestattet, im heiligen Hain seine Sterberituale zu vollziehen. König Kreon, der Ödipus aus Eigennutz überzeugen will, nach Theben zurückzukehren, schickt er weg, ebenso seinen Sohn Polyneikes, der im Begriff ist, gegen Theben Krieg zu führen. Einzig Ödipus’ Tochter Antigone ist bis zum Ende an seiner Seite.
Das 2008 als Auftragswerk für das Musikfestival „Rossini in Wildbad“ entstandene Werk Kolonos von Wolfgang Rihm greift den Moment der Ankunft des Ödipus auf Kolonos und die Idee der Zuflucht auf, die dieser Ort für ihn bietet. Als Text für Kolonos verwendete Rihm Fragmente der Übersetzung des Dramas von Friedrich Hölderlin. Rihms Werk wird anlässlich der EUROPÄISCHEN KULTURTAGE 2012 zum Zentrum eines spartenübergreifenden Projekts des französischen Regisseurs Laurent Chétouane unter dem Titel Auf Kolonos. Mit Schauspieltexten aus der Ödipus-Trilogie, zeitgenössischem Tanz und weiteren Musikstücken Rihms werden das Thema der Fremdheit und ihrer Integrierbarkeit umkreist. Verweist uns die Begegnung mit dem Fremden auf das, was in uns selbst fremd ist? Gibt es ein Drittes jenseits der Trennung von Eigenem und Fremdem?
Laurent Chétouane arbeitete als Regisseur u. a. am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und an den Münchner Kammerspielen und inszeniert regelmäßig am Schauspiel Köln. Seit 2009 arbeitet er auch international, u. a. am Nationaltheatret Oslo und am Griechischen Nationaltheater in Athen. Seit 2006 entwickelt Chétouane Projekte mit Tänzern, seine Tanzstücke 1–4 waren u. a. an den Berliner Sophiensaelen und im PACT Zollverein Essen zu sehen. 2008 war er der Hauptpreisträger des NRW-Festivals „Favoriten 08 – Theaterzwang“ und wurde mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für hervorragende junge Künstlerinnen und Künstler in der Sparte Theater ausgezeichnet.
REGIE & CHOREOGRAFIE Laurent Chétouane KOSTÜME Sophie Reble RAUM Markus Selg MUSIKALISCHE LEITUNG Wolfgang Wiechert DRAMATURGIE Kerstin Grübmeyer & Bernd Feuchtner
















