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MADAME LENIN

Ein musiktheatrales Ritual nach Texten von Andrej Platonow, Welimir Chlebnikow & Daniil Charms, mit Musik von Ruslan Khazipov, Boris Yoffe und Clemens K. Thomas

24. EUROPÄISCHE KULTURTAGE KARLSRUHE

Dauer: ca. 1h 30

28.04.2018 STUDIO

MADAME LENIN

Was ist der neue Mensch? Können wir 100 Jahre nach
der Russischen Revolution noch von ihm träumen? Drei
sowjetische Autoren und drei Komponisten der Gegenwart
suchen in einem musiktheatralischen Experiment nach
Antworten.

Alle Hoffnungen auf eine Welterneuerung sind gescheitert.
Das zeigt der Einakter „Die Stimme des Vaters“ des sowjetischen Autors Andrej Platonow, bearbeitet vom 1989 im russischen Kasan geborenen Ruslan Khazipov. Jakob besucht das Grab seines verstorbenen Vaters. Der Junge stellt dem toten Vater Fragen – aus dem Jenseits dringt „die Stimme des Vaters“ auf Russisch zu uns und wird im Diesseits von einer Bürokratin übersetzt. Der innige Dialog zwischen Vater und Sohn wird jäh unterbrochen. „Wir wollen hier einen Vergnügungspark errichten“, schreit ein Angestellter und tritt das Grab mit Füßen.

Madame Lenin, Protagonistin des futuristischen Stücks von Welimir Chlebnikow, ist gegen ihren Willen Insassin einer psychiatrischen Anstalt. In den Augen ihres Arztes ist Madame Lenin eine Verrückte. Und sie selbst? Sie wehrt sich nicht. Sie nimmt nur wahr. Sie sieht, sie hört, sie fühlt – aber sie tut nichts. Boris Yoffes Musik ist ein sakrales Ritual: „Es gibt das Böse, aber es wird nicht bekämpft“. Yoffe, geboren 1968 in Leningrad, emigrierte 1990 nach Israel und lebt seit 1997 in Deutschland, wo er unter anderem bei Wolfgang Rihm studierte. Für den dritten Teil des Abends hat der junge Karlsruher, Clemens K. Thomas, Musik auf das Schauspiel Makarow und Petersen N°3 von Daniil Charms komponiert.
Beim Avantgardisten Charms, der während der Belagerung von Leningrad an Unterernährung starb, ist der Mensch an sich lächerlich, sein Handeln und seine Bemühungen sind sinnlos. Nur zwischen den Zeilen schimmert noch Sinn. Denn nur das, was nicht gesagt, genannt, gezeigt werden kann, ist bei Charms sinnvoll.

               

STAATSTHEATER KARLSRUHE in Kooperation mit der Hochschule für Musik Freiburg, dem Zwetajewa-Zentrum Freiburg und zeugundquer e.V., gefördert von der Kulturstiftung des Bundes

                   

                      

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