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BALLETT: DER NUSSKNACKER – EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE

Badische Zeitung, 24.11.2010

… Marcos Meñha erweist sich in der Rolle des Scrooge als begabter Komödiant. Die Abenteuer des träumenden Fieslings, im Himmelbett hoch über der Bühne schwebend, werden dank Meñhas ausdrucksvoller Mimik und Körpersprache zu purem Vergnügen. In seinem Traum erscheinen Scrooge süße kleine Mädchen, die er mit riesigen Paketen beschenkt. Aus den Paketen kommen die Charaktertänze, wie sich das zur Musik von Tschaikowsky gehört. Clara und der Nussknacker erscheinen ebenfalls, als Traum von einem makellos getanzten klassischen Grand Pas de deux. Flavio Salamanka, technisch perfekt und sprungsicher, brilliert als Prinz. Sabrina Velloso bezaubert als kindliche Clara. Auch der Kristallwalzer findet hier seinen Platz in wunderschönen getanzten Bildern. Der Höhepunkt ist die gut gelaunte Persiflage, die Marcos Meñha und die kleinen Ballettschülerinnen darauf tanzen; die Nachthemden fliegen, Scrooges Zipfelmütze wirbelt, dass man gar nicht anders kann als mitzulachen. Nach dem Erwachen folgt nicht die Ernüchterung, sondern das Happy End mit großem Ensemble. Das Premierenpublikum war begeistert. …

Badisches Tagblatt, 22.11.2010

„Der Karlsruher ‚Nussknacker’ vermag selbst überzeugte Petipa- und Iwanow-Fans zu verzaubern. Verknüpft mit Charles Dickens’ inhaltlich deutlich überwiegender ‚Weihnachtsgeschichte’ ist auch das Tschaikowsky-Ballett von Youri Vámos, das Birgit Keil für ihre Compagnie übernommen hat, herzerwärmend nostalgisch: ‚Der Nussknacker – eine Weihnachtsgeschichte’ des ungarischen Choreografen von 1988 gereicht dem hohen tänzerischen Anspruch in Karlsruhe zur Ehre in den kultiviert dargebotenen Divertissements der Nationaltänze, die auch bei Vámos vorkommen – vor allem kann das junge, durch die Tanzakademie Mannheim verstärkte Ballett des Badischen Staatstheaters zeigen, was es auch mimisch-komödiantisch drauf hat. Die liebevoll arrangierte Ausstattung von Michael Scott auf der Bühne des Karlsruher Opernhauses ist Dickens-like und könnte samt Weihnachtswunderwelt (Licht: Klaus Gärditz) einem Märchenbuch aus dem 19. Jahrhundert entstammen. Mit fein abgestimmtem Klang lässt die Badische Staatskapelle unter der Leitung von Markus Bieringer darin die Musik Tschaikowskys funkeln und beeindruckt durch ihre dynamische Spannbreite, in der das stimmig erzählte Handlungsballett mit viel Fingerspitzengefühl begleitet wird. Vámos’ Spezialität ist es, die großen klassischen Ballette behutsam zu modernisieren, indem er das klassische Bewegungsmaterial mit zeitgemäßen Elementen versetzt. Mit Ideenreichtum, Witz, viel Gespür für Dramatik und Musikalität überzeugt sein Ballett ‚Der Nussknacker – eine Weihnachtsgeschichte’ … Aber vor allem der auf Hochglanz polierte große Pas de deux der herangereiften Clara und ihrem Nussknackergeist ist voller tänzerischer Höchstleitungen: Die von Sabrina Velloso und Flavio Salamanka getanzten Variationen, in denen sie wie Prinz und Prinzessin in der Glitzerwelt des Winterwaldes erscheinen, fordern der federleicht agierenden Ballerina enorm viel ab. Flavio Salamanka beweist seine hohe Kunst als eleganter, sprunggewaltiger Kavalier. Das gelingt so feierlich und herzerwärmend, da möchte man gleich mittanzen – und wie der gerührte Scrooge im Reigen mit putzigen Ballettmädchen, die bei Vámos auch mithüpfen dürfen, virtuos seine ungelenken Glieder in den wundersamsten Kabaretteinlagen immer mehr spreizt, zeigt auch, über welche exzellente Tanzkunst Marcos Meñha verfügt. ...“

Badische Neueste Nachrichten, 22.11.2010

... Die Besonderheit dieser Fassung liegt darin, dass Vámos die romantische Gespenstergeschichte, die der große Ballettschöpfer Marius Petipa zu Tschaikowskis Musik ersann, radikal abändert und mit Wesenszügen der berühmten "Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens ausstattet, wodurch das Werk einen starken sozialen Aspekt erhält. Nichts also mit Mäusekrieg und Weihnachtszimmer in Karlsruhe. Die Geschichte läuft nun anders. Der garstige Geizhals Scrooge hält die Menschen seines ärmlichen Londoner Viertels in trostlosem Elend und wirft zu Weihnachten gar noch den Vater der kleinen Clara auf die Straße, so dass der seiner Familie nun weder den üblichen Truthahn noch Geschenke kaufen kann. In der Nacht aber plagen den Fiesling plötzlich arge Skrupel; quälende Alpträume, in denen vor allem ein diabolischer ‚Todesgeist’ ihm arg zusetzt, bringen ihn in einer Art reuigem Weihnachtswunder zu dem Wunsch, nunmehr ein guter Mensch zu werden. Nicht nur führt er Clara und den ‚Nussknackergeist’ zu einem wundervollen Pas de deux zusammen, sondern er beschenkt im Reiche der Fantasie arme Kinder mit lebensgroßen Puppen, die nun allerlei Tänze aufführen. Als dann das Glück der Kleinen besiegelt ist und die tanzenden Schneeflocken auch noch einen anmutigen Kristallwalzer vollführt haben, kehrt das Geschehen zum Anfang zurück – in das Londoner Viertel, wo die Menschen sich in seliger Harmonie finden. Und keiner freut sich mehr als der bekehrte Scrooge … Die bunten Volksszenen, Scrooges fliegendes Himmelbett, der Höllenschlund des Alptraums – das alles liefert im spektakulären Bühnenbild von Michael Scott tolles Augenpulver, macht den gut zweistündigen Abend allemal kurzweilig und liefert den schrägen Figuren üppige Entfaltungsmöglichkeiten: Marcos Meñha ist ein köstlich skurriler Scrooge, der mit wachsender Liebe zu den Kindern auch selbst ein wenig infantil wird, und der virtuose, hinreißend auftrumpfende Diego de Paula stattet den Todesgeist mit den schrillen Farben einer dämonischen Transen-Domina aus …
Strahlender Mittelpunkt der Aufführung sind allemal Clara und ihr Nussknackergeist, denen (anders als in früheren Fassungen) beide Pas de deux und damit die klassischen Bravourstücke gehören: Der souveräne, weiche Eleganz mit kraftvoller Technik verbindende Flavio Salamanka und die mädchenhaft zierliche, unbeirrbar staunende und nur bisweilen ein wenig unsichere Sabrina Velloso wurden vom Publikum begeistert gefeiert, und auch die hübschen "Geschenk"-Stücke wie der bezaubernde Chinesische Tanz (So-Jung Lim), der knallige Trepak (mit Arman Aslizadyan und Reginaldo Oliveira) oder die Commedia-Harlekine(mit Patricia Namba als Jackie) ernteten lautstarke Zustimmung. Der anhaltende Schlussbeifall galt nicht zuletzt dem Dirigenten Markus Bieringer, der mit der animiert spielenden Badischen Staatskapelle der Aufführung eine verlässliche musikalische Grundlage lieferte.

Heilbronner Stimme, 22.11.2010

… Die Aufführung erfreut Jung und Alt gleichermaßen, weil sie für Kinder genügend Farbpracht (Ausstattung: Michael Scott), Märchenzauber und Witz bietet, für die Erwachsenen neben Nostalgie noch zusätzlich eine Prise Sozialkritik bereithält. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben: Immer wieder gibt es Wunder und die Läuterung von Scrooge gehört dazu. Vámos’ ideensprühende Kreation stammt von 1988, hat aber keinerlei Staub angesetzt. Sie ist virtuos, wirkt ungeniert naiv, aber nicht platt, sinnlich, aber nicht kitschig. In manchen Momenten fühlt man sich an Ludwig II. und seine Traumwelt erinnert. Dass der neue "Nussknacker" zum Augenschmaus wird, ist dem hoch motivierten Karlsruher Ballettensemble und seinen vorzüglichen Solisten zu danken. Höllengeist Marcos Meñha stattet den Scrooge mit eckiger Aufgeblasenheit und komödiantischem Charme aus. Diego de Paula gibt einen dominant-dämonischen Höllengeist. Als Prinz imponiert Flavio Salamanka mit Sprungkraft und Eleganz. Sabrina Velloso verströmt als Clara kindlichen Charme und als Prinzessin Grazie. Mit ihrem blauen Wunderstab und schwerelos-schwebenden Bewegungen hält Weihnachtsgeist Bruna Andrade alle Fäden locker in der Hand …

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