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DIE VIER COUNTERTENÖRE

Galakonzert
Händel-Festspiele

Rheinpfalz, 23.02.2012

Begleitet wurden die Sänger von dem jungen tschechischen Barockensemble Collegium 1704 und Vaclav Luks, das den Abend mit Teilen aus Händels Wassermusik schwungvoll, klangprächtig und mit großer Spielfreude eröffnete. Der Koreaner David DQ Lee war der erste Countertenor, der sich zugleich mit einer Glanznummer vorstellte, der Wahnsinnsszene „Ah! Stiegie larve/Vaghe pupille“ aus Händels Orlando. Mit seiner linearen und filigranen Stimme sang er dieses verwegene Stück mit Passagen im 5/8-Takt in einer sehr dramatisch pointierten und abgründigen Weise. Für den argentinischen Countertenor Franco Fagioli war es dann fast ein Heimspiel. Seine stimmlichen Möglichkeiten sind schier unerschöpflich, die Palette seiner Stimmfarben und Ausdrucksnuancen ist jedes Mal aufs Neue erstaunlich – und seine Koloraturenkunst ist ein Ereignis. Der spanische Countertenor Xavier Sabata, der unter anderem in Karlsruhe studiert hatte, begann mit einer Rarität: „Ritorna in quest’alma“ aus „Solimano“ von Davide Perez. Ebenso galant und empfindsam wie das Stück war Sabatas Vortrag, der sich als hoch kultivierter Stilist erwies. Max Emanuel Cencic ist ein individuell agierender und gestaltender Sänger mit großer Höhe und an unterschiedlichen Schattierungen reicher Stimmfarbe. Am Ende des Karlsruher Konzerts sangen alle vier Countertenöre zusammen im aufgewühlten Finale aus dem zweiten Akt der Oper „Romolo ed Ersilia“ von Josef Mystivecek. Aus diesen Stück des „böhmischen Mozart“ machten die vier fast schon ein mit höchstem Furor gestaltetes Wettsingen, ihnen und dem enthusiasmierten Publikum zur Freude.

Opernnetz.de, 21.02.2012

Musik von Händel und einigen Zeitgenossen gibt es zudem am Abend zwischen Premiere und zweiter Vorstellung von Alessandro zu hören. Das Konzertereignis des Jahres, zumindest für Karlsruhe, ist die Gala mit Franco Fagioli, Max Emanuel Cencic, David DQ Lee und Xavier Sabata. Denn vier Herren desselben Stimmfachs auf absolut exzellentem Niveau im Wechsel hören zu dürfen, ist schon ein Ausnahmeereignis, weil jeder für sich in Arien zwischen Händel und Porpora, Vivaldi und Galuppi individuelle Farben, Ausdrucksmöglichkeiten und Brillanz vorführen kann. Getragen vom fulminant die barocken Affekte ausschöpfenden Prager Ensemble Collegium 1704 unter Leitung seines Gründers Vaclav Luks werden Glanzlichter am laufenden Band präsentiert. Bei aller schieren Unmöglichkeit, Unterschiede auszumachen – primus inter pares bleibt Franco Fagioli. Das Publikum ist stürmisch begeistert.

Schwarzwälder Bote, 23.02.2012

Luxus pur war angesagt bei einem Galakonzert im Rahmen der 35. Händel-Festspiele in Karlsruhe. Nicht weniger als vier der momentan gefragtesten Countertenöre weltweit waren hier in einem Konzert vereint zu erleben. Begleitet wurden sie vom Prager Barockorchester „Collegium 1704“, welches 2005 von Vaclav Luks gegründet wurde, der auch Dirigent des Konzerts war. Vaclav Luks dirigiert gestenreich, körperbetont, aber präzise und animiert seine Musiker immer wieder zu höchst differenzierter Spielweise. Die vier Countertenöre waren hier also bestens aufgehoben. Der Koreaner David DQ Lee eröffnete den Reigen. Seine Beweglichkeit, die phänomenale Technik in „Sta nell’Ircana“ (aus „Alcina“) wiesen ihn eindeutig als Vokalvirtuosen der Spitzenklasse aus. Franco Fagioli demonstrierte in „Polifemo“ von Nicolò Porpora den ihm eigenen Fluss der Linien, ein An- und Abschwellen, sein expressives Potenzial. Der Katalane Xavier Sabata war unter den vier Countertenören der Einzige, dem im Vergleich weniger Strahlkraft der Stimme zur Verfügung stand. Überzeugen konnte er indessen mit phänomenalen Koloraturen in einer Arie von Porpora. Am Schluss den Konzerts stand mit Max Emanuel Cencic der absolute Superlativ eines Countertenors auf der Bühne.

Der Neue Merker, 23.02.2012

Begegnete man am Abend zuvor zwei interessanten Countertenören gaben sich heuer gleich vier Herren dieses Genres die Ehre, man durfte unweigerlich die Crème de la Crème der barocken Sangeskunst bewundern und, um es vorweg zu nennen, diese Ausnahmesänger verwandelten das Opernhaus in einen Hexenkessel. Die Begeisterung des Publikums geriet außer Rand und Band, man schrie, pfiff, tobte – Ausmaße wie sonst nur bei Popkonzerten.
Den Reigen des hochkarätigen Quartetts eröffnete DAVID DQ LEE mit der „Orlando-Arie“ von Georg Friedrich Händel vibratoreich in überschwänglicher Gestik, in reizvollen Registerfarben und leicht überspitzten Höhen folgten Arien aus „Alcina“ sowie „La Fida Ninfa“ (Antonio Vivaldi) stets im Kampf mit dem Hemdkragen, ein Pausenclown.
FRANCO FAGIOLI am Hause längst etablierter Gast wurde bereits mit lautstarken Huldigungen und Pfiffen empfangen, gestaltete mit ungeheurer Fülle und Leuchtkraft seiner Dreioktaven-Stimme die „Polifemo-Arie“ (Nicoló Porpora), in dynamischen Schattierungen, sprachlichen Details, lyrischen Nuancierungen folgten zwei Ausschnitte aus „Rinaldo“ (Händel) und in unübertrefflicher Art und als glanzvoller Höhepunkt die „Ariodante-Arie“,der Saal tobte! Begleitet wurden sie Sangeskünstler von dem hervorragenden Instrumentarium COLLEGIUM 1704 PRAG unter der umsichtigen Leitung von VACLAV LUKS. Dieses Ensemble erwies sich als fachkundiger, exakter Sachverwalter „Alter Musik“ glänzte solistisch mit der Händelschen „Wassermusik-Suite“ und überzeugte in der Vielschichtigkeit der Arien-Untermalungen, in jeder Phase als exquisites Orchester der Spitzenklasse. Nach der Pause interpretierte XAVIER SABATO mit delikatem Aplomb eine „Agrippina-Arie“ (Händel), betörend im Schmelz der samtweichen Altstimme Porporas „Ifigenia“ und krönte in verblüffender Charakterisierungskunst mit der „Solimano-Arie“ (Davide Perez). Den Abschluss des denkwürdigen Abends krönte schließlich der Sopranist MAX EMANUEL CENCIC, brillierte mit zwei „Farnace-Arien“ (Vivaldi) zunächst verhalten, „Nell´intimo del petto“, sodann mit der rhythmischen, traumhaft instrumentierten „Gelido in ogni vena“. Cencics Vortrag perlt in Koloraturen, moussiert in divenhafter Attitüde und bot schließlich eine Arie aus „L´Olimpiade“ (Baldassare Galuppi) in so konzentrierter Virtuosität, dass es eine Wonne war zu lauschen. Das Publikum war entzückt! Alle vier Herren beendeten ihr Konzert mit dem Finale aus „Romolo ed Ersilia“ von Josef Myslivecek, es hätte bis Mitternacht so weiter gehen können, das Auditorium wollte sich nicht beruhigen und wurde nochmals mit einem gemeinsamen da capo belohnt. Dieser Konzertabend dürfte in die Annalen des Hauses eingehen und vermutlich als Höhepunkt die Händel-Festspiele 2012 krönen.

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