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Opernglas, J.-M. Wienecke, 27.11.2015

... Giacomo Meyerbeers Fünfakter »Le Prophète« gab mit überwältigendem Erfolg in Karlsruhe die erste, enthusiastisch gefeierte Premiere in der noch jungen Opernsaison ... überaus ambitionierte Inszenierung und eine kongeniale musikalische Einstudierung mit vortrefflicher Besetzung ... Zum vollkommenen Glück des Abends, der sicherlich Karlsruher Theatergeschichte schreiben wird und schon jetzt das Prädikat "besonders wertvoll" verdient, konnte die musikalische Einstudierung zu jeder Zeit mithalten.

 

 

Die Opernwelt, Anselm Gerhard, 24.11.2015

Die Produktion präsentiert nicht nur starke Bilder, sondern auch großartige Stimmen. Star des Abends ist Ewa Wolak als Jeans Mutter – glücklich das Opernhaus, das wie Karlsruhe diese Partie aus dem eigenen Ensemble besetzen kann! Wolak bleibt den exorbitanten Schwierigkeiten der Partie nichts schuldig, wenn sie in die Fußstapfen der Uraufführungssängerin Pauline Viardot tritt. Sie färbt die tiefen Passagen fast baritonal ab, brilliert mit makellosen Koloraturen und fasziniert mit ihrer Bühnenpräsenz. Minutiös einstudiert spielt auch das Orchester unter Johannes Willig in Höchstform – glücklich das Opernhaus, das über einen solchen Ersten Kapellmeister verfügt! ...

Ein herausragender Opernabend.

MusicalAmerica.com, Shirley Apthorp, 10.11.2015

... As a packed house at Karlsruhe’s Badische Staatstheater explodes into rapturous applause after four and a half hours of Meyerbeer, one thing is clear. The widely-held belief of recent decades ... that grand opera cannot work for today’s audiences is wrong. That is perhaps the company’s greatest achievement with this new production of Le prophète: proving that in the right hands, given a thoughtful approach, a Meyerbeer opera can work today just as well as it did in 1849 ...

Rainer Sellmaier’s revolving set is full of intelligent detail. Kratzer directs with a feeling for real people, fleshing out his characters and their motivation so that each trajectory seems plausible. The shabby setting works—Meyerbeer’s protagonists are peasants—and there is plenty of room for the music to unfold its full emotional impact ...

The public’s enthusiastic response to the evening is not surprising. Between them, Willig and Kratzer have effectively communicated Meyerbeer’s sense of drama, his cinematic vision and emotional power.

Badische Zeitung, Heinz W. Koch, 21.10.2015

Für die beiden Frauenrollen haben die Karlsruher zwei Weltklasse-Interpretinnen im Ensemble. Ina Schlingensiepen absolviert die vokalen Gipfeltouren von Jeans Verlobter Berthe mit größter Fortüne, und Ewa Wolak ist als Jeans Mutter Fidès, die Traumpartie früherer Altistinnen-Generationen, schlechterdings rundum phänomenal.

Der Prunk der Großen Oper, die großen historischen Stoffe, die monumentalen Chortableaus, das mehrteilige Klassische Ballett – wie geht das heute, wie jetzt in Karlsruhe? Die Lösung mutet einfach an: Der Regisseur Tobias Kratzer (der 2019 in Bayreuth den "Tannhäuser" inszeniert), der Bühnen- und Kostümbildner Rainer Sellmaier und der Video-Künstler Manuel Braun landeten gleichsam unversehens im Heute. Und das eben nicht, wie es unterdessen gängig ist: mausgraue Anzüge, ungeordnete Hemden, Krawatten auf Halbmast, und fertig ist die Gegenwart. In Karlsruhe ist ein Musterbeispiel dafür zu bewundern, wie derlei funktionieren kann, wenn es wirklich minuziös betrieben und ohne dass der Musik zu nahe getreten wird.

Den ganzen Artikel finden Sie hier

Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 20.10.2015

Ein herausragender Opernabend mit Giacomo Meyerbeers „Der Prophet“ am Staatstheater Karlsruhe. Tobias Kratzer inszeniert gnadenlos und planvoll modern, die musikalischen Leistungen sind immens.

Große Oper am Staatstheater Karlsruhe, ganz große Oper. Erneut zeigt der 1980 geborene Regisseur Tobias Kratzer (nach seinen Nürnberger „Hugenotten“), wie lohnenswert es ist, Giacomo Meyerbeers Werke in den Spielplan zu nehmen ...

Sodann Jubel des Publikums für eine heute weitgehend unbekannte Oper an einem locker viereinhalb Stunden langen Abend. So viel zum Thema schüchterne Spielplangestaltung. Jetzt aber rasch nach Karlsruhe.

Lesen Sie die ganze Kritik hier.

Die Deutsche Bühne, Detlef Brandenburg, 19.10.2015

Trotzdem bringt Kratzer Zeit und Genaugikeit auf, um die Charaktere von Jean, vor allem aber von Berthe und Fidès herzbewegend zu entwickeln. Er ist ein toller Personenregisseur, der liefert, was der Name des Genres verspricht: große Oper!

Die liefern auch der von Ulrich Wagner hervorragend einstudierte Chor und das herausragende Sängerensemble. Nur ein einziger Gast ist hier im Spiel, der Tenor Marc Heller, der den Jean de Leyde mit großer stilistischer Einfühlsamkeit singt und ihm beachtliche vokale Statur gibt: ein füllig-weicher, geschmeidiger Tenor mit cremig-hellem Timbre, dem vielleicht die allerletzte Durchschlagskraft für die großen Höhepunkte fehlt, der sonst aber mit viel Finesse, Wohlklang und Charakterkontur präsent ist. Geradezu umwerfend aber singt und verkörpert Ewa Wolak die Fidès: ein Alt von durchschlagender Wucht und herber Ausdruckskraft, die Tiefe tenoral mit offenem Brustregister, die Höhe dunkel lodernd. Ihre Interpretation mancher Gesangsfinessen von Meyerbeers Vokalstil ist zwar durchaus eigenwillig; als darstellerisch-vokales Gesamtereignis aber ist diese Sängerin eine Wucht! Ina Schlingensiepens Sopran hat nicht diese Größe, die Partie der Berthe ist aber auch per se lyrischer. Schlingensiepen gibt ihr eine funkelnde Schlankheit und Klarheit mit viel Anmut. Ihr Forte klingt etwas grell, aber bei ihrer Todesszene im 5. Akt läuft sie zu großer Form auf. Bemerkenswert auch der sonore Zacharias von Avtandil Kaspeli, während Armin Kolarczyk als Comte d’Oberthal fast zu kultiviert für diesen Bösewicht agiert.

Johannes Willig führt das riesige Ensemble mit großer Umsicht (auch das Ausbleiben der Orgelbegleitung zur großen Soloszene der Fidès im 5. Akt brachte ihn nur kurz aus dem Konzept) und leitet die bestens präparierte Badische Staatskapelle zur subtilen Ausarbeitung der feine Linien, differenzierten rhythmische Akzente und exquisiten Farben an. Außerdem zeichnet er den Gliederbau von Meyerbeers kunstvoller Musik mit einfühlsamer Agogik nach – auch wenn manches vielleicht noch ein bisschen mehr Drive vertragen könnte. Am Ende gab es Riesenjubel für das riesige Ensemble, und der war hochverdient. Mit ihren großartigen Sängern und Kratzers zugleich reißerischer wie blitzgescheiter Regie haben die Karlsruher Opernmacher den enttäuschenden „Vasco da Gama“ 14 Tage zuvor an der Deutschen Oper Berlin um Längen übertroffen!

Hier finden Sie die ganze Kritik http://www.die-deutsche-buehne.de/Kritiken/Musiktheater/Giacomo+Mayerbeer/Le+Prophete/Die+hohe+Kunst+der+Kolportage

SWR 2, Nicole Dantrimont, 19.10.2015

Es war ein über weite Strecken grandioser Opernabend … Die Handlung ist spannend wie ein Krimi … Anstelle des klassischen Balletts zeigt Tobias Kratzer eine Parodie, wie sie schöner nicht sein könnte. Die Stuttgarter Underground-Formation TruCru legt eine atemberaubende und witzige Performance aus Breakdance und Akrokatik auf die Bühne. Eine coole Sache, die mit frenetischem Zwischenapplaus belohnt wird … Herausragend sind Ewa Wolak als Fidès sowie eine diszipliniert und akkurat aufspielende Badische Staatskapelle unter Johannes Willig. Meyerbeers Musik ist farbig, abwechslungsreich, unterhaltsam … Prädikat: Empfehlenswert.

Hören Sie den kompletten Bericht hier.

Neue Musikzeitung, Joachim Lange, 19.10.2015

Die jüngste Karlsruher Neuinszenierung ist ein überzeugendes Plädoyer für den zu Unrecht vergessenen Meyerbeer ...

Im Ganzen geht die Sache auf und kommt unserer Gegenwart näher, als einem lieb sein kann.
Dass dieser Vierstundenabend so packend funktioniert, ist zu einem großen Teil seiner musikalischen Prachtentfaltung und dem vokalen Luxus zu verdanken, der in Karlsruhe waltet (und ganz nebenbei die jüngste Berliner Meyerbeer Bemühung um „Vasco da Gama“ deutlich in den Schatten stellt). Das durchweg überzeugende Ensemble wird von einer alles überragenden Ewa Wolak als Propheten-Mutter Fidès überstrahlt. Ihre kraftvolle Tiefe und ihre Gestaltungsvirtuosität runden sich zu einem intensiven Rollenporträt, das ganz zu recht bejubelt wurde ...
Es ist ein besonderes Vergnügen diesem Orchester dabei zuzuhören wie es sich immer mehr in diese Musik hineinsteigert!

Hier finden Sie die ganze Kritik http://www.nmz.de/online/oper-zum-angewoehnen-oder-die-falschen-propheten-im-banlieue

Oper Aktuell, Kaspar Sannemann, 19.10.2015

Ich empfehle: Hingehen und selber anschauen!

Ganz grossartig auch, wie sich der Badische Staatsopernchor, der Extrachor und der Cantus Juvenum (ganz hervorragend!) auf diese schwierige Aufgabe vorbereitet und eingelassen haben. (Einstudierung: Ulrich Wagner). Keinen Moment hatte man das Gefühl, klassische Chorsängerinnen und -sänger zu erleben, sie alle waren perfekt in ihren Rollen als Strassenkinder, umherstreunende Jugendliche und Alkis.

Diese Oper zu besetzen ist wahrlich kein einfaches Unterfangen, denn die Hauptrollen sind umfangreich und äusserst anspruchsvoll. Dass das Badische Staatstheater dazu nur für die Titelrolle einen Gast brauchte, spricht für das herausragende Ensemble. Allen voran soll Kammersängerin Ewa Wolak hervorgehoben werden: Ihre Fidès war schlicht atemberaubend. Die Stimme dieser Altistin hat ein Volumen (das sie aber ungemein differenziert einzusetzen weiss), ein Timbre und einen Registerumfang von stupender Qualität. Sie vermag damit sämtliche Gefühlsregungen und -verwirrungen auszudrücken: Mütterliche Besorgnis, Enttäuschung, Hass, Erniedrigung, Rache, Verzeihung. Dies alles gelingt ihr mit einer Gänsehaut erzeugenden Intensität. Toll auch die Idee des Inszenierungsteams, dass man Frau Wolak im wichtigen vierten Akt per Video der Fernsehteams anlässlich von Jeans Krönung in Grossaufnahme sieht und so zusätzlich zu ihren stimmlichen Künsten auch noch ihre eindringliche Mimik verfolgen kann. Einen weiteren Höhepunkt stellte ihre Air à deux mit der Berthe von Kammersängerin Ina Schlingensiepen dar, in der sich die beiden Stimmen so herrlich vereinen.

Lesen Sie die komplette Kritik hier.

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