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BNN, Isabel Steppeler, 06.06.2016, 26.06.2016

Belcanto-Glück

Wunderschöne Gesangslinien eines fünfköpfigen Solisten-Ensembles, das die Kunst des Belcanto-Gesangs ... beglückend beherrscht; und es erlebt mit dem Italiener Daniele Squeo einen Dirigenten am Pult der Badischen Staatskapelle, der diese im Vergleich zu Donizetti oder Rossini eher reduziertere Partitur mit Hingabe und großartiger Phrasierungskunst vital und schmissig, aber auch tiefsinnig interpretiert ...
Mit der Inszenierung des jungen Regisseurs Tilman Hecker muss man zwar erst warm werden, was im zweiten Akt dann auch geschieht. Aber sie lässt der Musik viel Luft für ihren gefühlvollen Atem und ist somit eine schlichte, aber respektvolle Deutung mit beachtlichen, der Spannung dienlichen Details ...

Uliana Alexyuk und Dilara Baştar in ihrer Hosenrolle als Romeo haben ihre Partien musikalisch wie darstellerisch hervorragend verinnerlicht und betören mit bezaubernden Piani. Alexyuks Sopran ist warm ... und ein edles Beispiel für Gestaltungskunst und Phrasierung. Baştars dunkler, gutturaler Mezzosopran ergänzt sie mit unwiderstehlichem Timbre. Sehr hoch dreht sein Temperament Eleazar Rodriguez als Tebaldo auf und glänzt mit mühelosen Höhen.

 

Badische Zeitung, Heinz W. Koch, 08.06.2016

... was Daniele Squeo bei "I Capuleti e i Montecchi" entfesselt, sind Klangexplosionen ohne Zahl. Aber was der fabelhaft begabte, entschlossen und selbstbewusst agierende junge Karlsruher Kapellmeister in seiner ersten Opernpremiere auch beschwört, sind die seit Verdis Expertise sprichwörtlichen "langen, langen, langen Melodien", ist wie bei keinem anderen der Primat des Gesangs – und sei’s der des Orchesters, seien es die Kommentare, die Farbzusätze vor allem der Bläser, des Horns, der Flöte und zumal der Klarinette, die geradezu einen Sonderauftritt genießt ...

Wenn Romeo sich am Grab der vermeintlich toten Giulietta arios ausweint: Schöner ist Trauer nie Klang geworden, weicher, empfindungstiefer nicht. Und wenn das tragisch endende Paar sein Abschiedsduett anstimmt, dann wird eine melancholische Elegie daraus ...

Der etwas gestraffte Karlsruher Start rief ... Jubelstürme hervor.

 

Der neue Merker, Udo Klebes, 06.06.2016

Phasenweise bleibt die Regie mit intimem Spiel und sparsamer Gestik ganz auf die musikalische Vermittlung konzentriert, dann lässt sie auch wieder die unterschiedlichen Machtpositionen bewegt gegeneinander treten ...

Kompliment für ein Opernhaus, das ein so viel spezielle stimmliche Vorrausetzungen verlangendes Werk gleich doppelt aus dem eigenen Ensemble besetzen kann ...  Ein Liebespaar wie für einander bestimmt, beide von einer Sensibilität bis in die Fußspitzen, sowohl für die Darstellung ihrer Sehnsüchte und Leidensfähigkeit, als auch für die Belange ihrer musikalischen Artikulation ... Ein mädchenhaft transparenter Sopran mit leuchtender Höhe und bruchloser Verschmelzung von lyrischer und dramatisch durchsetzter Komponente sowie kunstvoller Beherrschung von Legato, Piangendo und morbider Färbung. Ihre Erscheinung in einem festlichen bodenlangen, ärmelfreien weißen mit Pailletten besetzten Kleid tat ein Übriges, von dieser Julia begeistert zu sein. In letzterer Hinsicht erregte Romeo im langen dunkelroten Samtumhang auf weißem Hemd allerdings besondere Bewunderung, denn wie die langhaarige Türkin Dilara Bastar in einen so echten Mann mit kurzem Blondhaar verwandelt wurde, gehört zu den Geheimnissen der Maskenkunst und verdient eine extra Erwähnung. Mit einschmeichelnd warmem Timbre, gut tragender Tiefe, gleichmäßiger Mittellage ... ist ihr Mezzosopran dem umfangreichen Register der Rolle gut gewachsen ...

Nicht ein einziger negativer Publikumseinwand trübte diesen rundum gelungenen Werk-Einstand am Badischen Staatstheater – heller Jubel für die drei Protagonisten schon während der Aufführung intensivierte noch dieses Opernglück!

 

Badisches Tagblatt, Nike Luber, 06.06.2016

Uliana Alexyuk als Giulietta und Dilara Bastar... geben stimmlich und optisch ein passendes Paar ab ... Uliana Alexyuk gibt die Giulietta mit leuchtender Höhe und einer sehr geschmeidigen, farbenreichen Stimmführung, musikalisch purer Belcanto-Genuss.

 

Rheinpfalz, Sigrid Feeser, 08.06.2016

Lucia Lucas ist als prinzipienstarrer Capuleti-Anführer und Giulietta-Vater Capellio mit sonorem Bariton dabei; Yang Xu gibt den unglückseligen Arzt Lorenzo mit kerzengeradem Bassbariton; den Romeo-Rivalen Tebaldo verschönt Eleazar Rodriguez mit jenem tenoralen Nachdruck, der das Premierenpublikum entzückte. Noch hingerissener zeigte man sich bei den beiden Hauptpartien. Uliana Alexyuks unverbraucht klingender Sopran bewältigt die bei Bellini seltsam passiv an ihre Familie gebundene Giulietta mit schöner, zuweilen packender Intensität. Dilara Bastar singt (und spielt) den einem Mezzosopran anvertrauten Romeo mit energisch zupackender Attitüde fast mühelos ins Zentrum; auch im großen, terzenseligen Liebesduett, das mehr hochgespannte Auseinandersetzung als elegisches Schmachten ist.

 

Forum Opéra, Catherine Jordy, 15.06.2016

Très vite, la mise en scène de Tilman Hecker s’avère efficace : les étages permettent des effets de circulation intéressants ...

Toute la poésie et la richesse émotionnelle qui sourd de l’apparente simplicité mélodique de Bellini sont ainsi intelligemment servies ...

Il faut saluer l’excellent niveau vocal de la troupe de Karlsruhe ...

 

Rheinpfalz, Gabor Halasz, 14.06.2016

Bei Ina Schlingensiepens Giulietta signalisierte gleich der allererste Ton ihrer Auftrittskavatine hohe sängerische Ansprüche: ein extrem leise einsetzender, kontinuierlich an- und wieder bis zum Pianissimo abschwellender Ton, in perfektem Einklang mit den Regeln der Bellinis Oper verbindlich prägenden Belcanto-Manier (Schöngesang).Mit diesem Einsatz präsentierte die Sopranistin gleichsam ihre Visitenkarte als authentische Stilistin der frühromantischen italienischen Oper. Was der Beginn versprach, hielt ihre Darbietung auch in ihrem weiteren Verlauf. Schlingensiepen wartete mit erlesenen Vokalkünsten auf, nahm immer wieder mit exquisiter und dynamischer Farbabstufungen für sich ein, imponierte mit feiner Klangqualität, makelloser Linienführung und setzte Akzente mit delikaten Details der Phrasierung und Artikulation. Hinzu kam bedingungslose Identifikation mit ihrer Bühnengestalt.

Letztere lässt sich auch ihrer ebenbürtigen Partnerin Kristina Stanek ohne Bedenken bescheinigen. In der Hosenrolle des Romeo ... stand sie ebenfalls für hoch entwickelte Gesangskunst ein. Dieser Romeo gefiel zunächst dank schön gefärbter, sonorer Mezzosoprantöne, einfühlsamer differenzierte Gestaltungsweise und zwingender Intensität des Ausdrucks. Mit leidenschaftlicher Hingabe und Nachdruck verkörperte Stanek durchweg glaubhaft sowohl den zärtlichen Liebenden als auch den unerschrockenen, feurigen jungen Krieger. Sängerisch und musikalisch agierte sie ohne Fehl und Tadel und hatte erlesene, anrührende Töne für die Sterbeszene.
In der Rolle des Tebaldo, Romeos Rivale, beeindruckte der amerikanische Sänger ... Jesus Garcia aufgrund des charakteristischen Klangprofils des italienischen Spinto-Tenors, mit Strahlglanz und Durchschlagskraft seiner leicht ansprechenden, höhensicheren Stimme. Mit feurigem Elan singend, zeigte er stellenweise auch gestalterische Präsenz ...

Konstantin Gorny war ein unerbittlicher, unversöhnlicher Capellio von imponierender und einschüchternder Bassgewalt. Stimmlich präsent wirkte auch der Lorenzo des chinesischen Bassbaritons Yang Xu.
Stets überlegen, temperamentvoll, auf Differenzierung bedacht steuerte Daniele Squeo am Dirigierpult das musikalische Geschehen und erwies sich dabei als stilistisch sehr kompetenter, beredter Anwalt des Komponisten Vincenzo Bellini.

 

BNN, Manfred Kraft, 14.06.2016

War schon die A-Premiere reines Belcanto-Glück, die B-Aufführung war es jetzt nicht weniger. Mit dem 2. Kapellmeister Daniele Squeo hat das Haus einen echten Belcanto-Spezialisten in seinen Reihen und seine federnden Tempi und sein Atmen mit den Sängern verliehen dem Abend Kontur und Sicherheit. Nach ihrer wunderbaren Eliza stellte sich Kristina Stanek auch mit dem Romeo als hoch talentierter Neuzugang vor, der sich auch im Belcanto-Fach prächtig bewährte. Ina Schlingensiepen (Giulietta) bewies mit wunderbaren Piani und einer exzellenten Stimmführung noch einmal ihr Talent...

 

Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 21.06.2016

Uliana Alexyuk ist eine glöckchenhaft beweglich singende Sopranistin, deren lieblich kindhafte Züge zugleich von Kapricen sprechen. Auch Kristina Staneks blondbärtiger Romeo ist wahrlich jugendlich, dabei stimmlich stabil im raschesten Lauf. Den Tenor darf insofern Eleazar Rodriguez als Romeos liebender und hassender Rivale übernehmen und übernimmt ihn feurig ...

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