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DAS ABSCHIEDSDINNER

BNN, Andreas Jüttner, 15.12.2015

Zielsicher treffen Sebastian Reiß und Lisa Schlegel die Nuancen eines leicht überspannten Wohlstandspaares: Hier seine vergeblichen Versuche, fehlendes Rückgrat durch Lächeln und Labern auszugleichen, dort ihr Wechselspiel aus aufgesetztem Lächeln und dauergenervtem Augenrollen.

Geschickt achtet die Inszenierung von Marlene Anna Schäfer darauf, hier nicht zu überdrehen – irrwitzig genug wird’s dann schon beim Auftritt von Antoine, den Jens Koch mit großartig eingesetzter Körperpräsenz gibt. Wie sein Antoine ungeniert mit einem vollgekotzten Pennermantel aufkreuzt (er hat mit einem Obdachlosen getauscht), wie er zu indischer Popmusik die fülligen Hüften kreisen lässt und immer wieder ungehemmt loswiehert, wie er im Moment der Enthüllung in bedrohliche Regungslosigkeit verfällt, nur um kurz darauf strategisch zurückzuschlagen – das hat Power und Witz.

Die Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 16.12.2015

Das vergnügliche Hin und Her des zwischenmenschlichen Scharmützels, die sprachlichen und taktischen Finten, mit denen die Gegner sich abtasten und zu übertrumpfen suchen, aber auch die spitzen Finessen und geistreichen Pointen ihres wendungsreichen Ringens geben dem Stück eine spannungsreiche Würze, auch wenn dem Betrachter rasch klar wird, dass er mit immer neuen Überraschungen zu rechnen hat und am Ende nichts mehr so aussieht, wie es anfänglich scheint.

Regisseurin Marlene Anna Schäfer hat das Stellungsspiel der beiden Herren mit flotten Dialogen ... zügig in Szene gesetzt. Christin Treunerts Bühnenbild, das zwischen Büchertürmen und Sofa weiten Spielraum lässt, gibt den Darstellern Gelegenheit zur Entfaltung ihrer komödiantischen Talente. Namentlich ... Als genervte Gattin Clotilde, die dem seltsamen Kampf mit wachsender Verzweiflung zusieht, ist Lisa Schlegel eine gelungene Besetzung, deren trockene Lakonik dem 90-minütigen Abend zusätzliche Höhepunkte beschert.

 

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