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SWR 2, Marie-Dominique Wetzel, 15.12.2015

SWR 2 sprach mit dem jesidischen Schauspieler Hadir Kheri Hando. In DIE KINDER DES MUSA DAGH steht er das erste Mal in Deutschland auf der Bühne.

Hier gibt es das Gespräch als Podcast.

Badisches Tagblatt, Ute Bauermeister, 30.11.2015

Mit wenigen starken Gesten zeigt Otteni das Ausmaß der Katastrophe: Wenn ein Granatapfel auf dem Teppich mit den Ländergrenzen genau an der Stelle der Massaker zertreten wird und eine blutrote Lache hinterlässt oder wenn die Darsteller in der Bühnenmitte auf einmal hochgefahren werden (in die Hochebene) und dort immer wieder mit Sand oder Regen beschüttet ums Überleben kämpfen. Das sind erschütternde Bilder.

Gunnar Schmidt gibt großartig den deutschen Pastor Lepsius, Gründer des armenischen Hilfswerkes, der mit allen verbalen Mitteln versucht, die Armenier auf diplomatischem Wege zu retten. Luis Quintana wandelt sich vom selbstgefälligen Kriegsminister Pascha in den bedrohten armenischen Pastor und glänzt in beiden Rollen. Auch das ein kleiner Coup: Sie spielen Täter und Opfer gleichermaßen beeindruckend.

(Das Stück) ist heute wieder erschreckend aktuell und zeigt auch die unheilvollen politischen Verstrickungen auf. Eine bedrückende Erkenntnis, nach einem aufrüttelnden Theaterabend, der mit langanhaltendem Beifall bedacht wurde.

 

Nachtkritik, Thomas Rothschild, 29.11.2015

Die Inszenierung am Badischen Staatstheater in Karlsruhe konzentriert sich auf die Dialoge, die zwar nicht wegen besonderer sprachlicher Schönheit, wohl aber durch ihre argumentative Kraft nach wie vor zu fesseln vermögen und verschiedene Haltungen angesichts der drohenden und später, von Schostakowitsch im Hintergrund angetriebenen, aktuellen Gefahr dokumentieren.

Der junge kurdische Schauspieler Hadeer Khairi Hando, der aus seiner syrischen Heimat flüchten musste, erzählt nach der Pause von der Verfolgung durch den Islamischen Staat und stellt so, kaum dass man sich nach immerhin 100 Jahren dazu entschlossen hat, auch in Deutschland von einem Genozid an den Armeniern zu sprechen, eine aktuelle, aber zugleich auch verallgemeinernde Analogie her.

 

BNN, Michael Hübl, 30.11.2015

Das Neue an der Massenermordung vor 100 Jahren war, dass es nicht um ein spontanes Pogrom, sondern eine systematische Vernichtungskampagne handelte, ideologisch gespeist von dem nationalistisch-rassistischen Modell eines einheitlich türkischen Volkskörpers – ohne alles „Fremde“. Dieser Sachverhalt wird in dem Stück ebenso angesprochen wie die militärische Großwetterlage des Ersten Weltkriegs. Solche dokumentarischen Momente, zu denen nicht zuletzt die von Gunnar Schmidt überzeugend gespielten Auftritte als deutscher Theologe Johannes Lepsius (1858 bis 1926) gehören, sind kombiniert mit einem Vater-Sohn-Konflikt und einer tiefgreifenden Beziehungskrise.

Es gibt . . . starke Momente, etwa wenn Johannes Schumacher als Stefan jugendlichen Idealismus demonstriert und gegen den Vater Gabriel opponiert. Zwischendrin hält der junge Schauspieler und Asylbewerber Hadeer Khairi Hando einen flammenden Monolog über die Lage seines Volkes, der Yesiden, im gegenwärtigen Syrien-Konflikt. Beklemmend.

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