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Männer, Kriss Rudolp, 07.06.2016, 26.06.2016

Den Karlsruhern ist mit „Small Town Boy” ein Import gelungen, der mehr ist als eine Kopie der Orginalproduktion. Mit dem Vertreter eines schwulen Mannes aus der älteren Generation – dargestellt von einer Puppe, die Martin Danneker zitiert („Schwule wollen nicht schwul sein, sondern so spießig und kitschig leben wie der Durchschnittsbürger”) – gelingt Regisseur Hussein eine lohnenswerte Erweiterung, und das Badische Staatstheater meldet sich einmal mehr mit einem Kommentar zu politischen Misständen hierzulande zu Wort.

Lesen Sie die ganze Kritik hier.

 

Nachtkritik, Steffen Becker, 07.06.2016

In diesem Leben werden Beatrix von Storch, Birgit Kelle, Hedwig von Beverfoerde und Falk Richter keine Freunde mehr. Nachdem Gerichte eine Klage gegen den Autor wegen der Darstellung seiner homophoben Gegnerinnen im Stück "Fear" abgeschmettert hatten, legt er mit einem Update seines vorangegangen Werks "Small Town Boy" nach. Am Staatstheater Karlsruhe erhalten (wenig vorteilhafte) Bilder der Pin-Up-Girls ultrakonservativer Gruppierungen nun ebenfalls einen Platz – in einem Gruseldiorama mit Wladimir Putin. Regisseur Atif Hussein projiziert sie groß auf die Leinwand. Ätsch Mädels, die Runde geht an die Homolobby.

Die ganze Kritik finden Sie hier.

 

Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 09.06.2016

Atif Mohammed Nour Hussein hat den Text ideenreich inszeniert und dabei eindringliche Bilder geschaffen. Dabei entfaltet sich das Werk als eine Abfolge von Monologen mit teils tragischen, teils auch amüsanten Zeugnissen gleichgeschlechtlicher Selbst- und Fremderfahrung wie etwa der verzweifelten Klage eines verlassenen älteren Homosexuellen (anrührend gespielt von Gunnar Schmidt) oder den Selbstzweifeln des schüchternen Jungen (Luis Quintana) auf der Suche nach seiner sexuellen Identität. Eingelassen in solche Passagen … sind pointierte Einlagen von mehr oder minder absichtsvoller Ironie, in denen etwa in Anspielung auf die TV-Soap „Verbotene Liebe“ ein kitschiges Schwulendrama karikiert wird, eine perverse Society-Ziege (grandios verkörpert von der überragenden, vielseitigen Veronika Bachfischer) ihre überhitzte Libido vor dem Hintergrund des Gemetzels aus Hitchcocks „Psycho“ befriedigt oder eine schwülstige Transen-Diseuse (Meik van Severen) ihre Wünsche mit „There’s A Place For Us“ aus der „West Side Story“ beseufzt (und zugleich desavouiert). Da sind die Grenzen zwischen Parodie und Geständnis, Kabarett und engagierter Parteinahme, Klamauk und Anliegen fließend.

 

BNN, Sibylle Orgeldinger, 08.06.2016

... Sie haben es nicht leicht auf der Suche nach ihrer Identität, die Figuren in „Small Town Boy“, einem Stück über Homosexuelle, die aus der spießigen Enge einer Kleinstadt in eine Metropole geflohen sind. Als erstes Haus nach dem Maxim-Gorki-Theater Berlin führt nun das Badische Staatstheater in Karlsruhe das Stück auf. Autor Falk Richter hat den Text erweitert und stärker auf die neue Homophobie fokussiert, wie sie im vergangenen Winter bei der konservativen „Demo für alle“ in Stuttgart artikuliert wurde.

„Sexuelle Vielfalt, das ist Quatsch“: Schwäbisch gefärbte O-Töne von der Demo leiten den Abend ein. Homosexualität sei eine Krankheit, widerspreche der Natur und dem Willen Gottes. Eine Erklärung für diese Einstellung liefert Autor Falk Richter später: Globalisierung, Digitalisierung und exzessive Datensammelei hätten die Menschen verunsichert, sie verlangten nach klaren Unterscheidungen wie „hetero ist gut – homo ist böse“ ...

... der Regisseur setzt auf mehrfache Brechungen, lässt die Darsteller Veronika Bachfischer, Luis Quintana, Sebastian Reiß, Gunnar Schmidt und Meik van Severen mit kleinen Puppen auf einer Art Mini-Bühne auf der Bühne spielen sowie sich selbst und gegenseitig filmen, während sie wechselnde Rollen übernehmen ...

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