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Deutschlandfunk, Jörn Florian Fuchs, 27.11.2016

Einen Besprechung in der Sendung Kultur heute finden Sie hier.

BNN, Andreas Jüttner, 28.11.2016

Es ist schon mal ein großer Erfolg, dass die Fragen, die George Taboris „theologische Farce“ aufwirft, auch bei der nun in Karlsruhe uraufgeführten Musicalfassung über den Schlussapplaus hinaus nachhallen. Denn auch wenn der Text so gebaut ist, dass so manches Wort zum Widerhaken im Fleisch werden kann – zunächst einmal ist das von Taboris langjährigem musikalischem Wegbegleiter Stanley Walden komponierte Werk ein waschechtes Musical mit eingängig-unterhaltsamer Musik, die trotz vielfältiger Stile von Broadway-Sound über Soul und Gospel bis zu Rap nicht zerfasert oder gestückelt wirkt. Das ist nicht zuletzt ein großes Verdienst der grandiosen Liveband um die am Karlsruher Theater bestens bewährten Rynkowski-Brüder, die hier nach „Alice“, „Sommernachtstraum“ und „Spamalot“ einen weiteren Beleg ihrer Spielfreude, Präzision und Vielseitigkeit liefern . . .
Wer Musicals nicht per se für ein Werk des Teufels hält, kann hier erleben, wie der Spagat zwischen Mainstream-Entertainment und theologischem Tiefgang gelingt.

Die deutsche Bühne, Eckehard Uhlig, 27.11.2016

Witz und Klamauk, Blödelei und Tiefsinn liegen in dieser Produktion, die eine vermeintlich mehrfach scheiternde Theaterprobe als Musical präsentiert, dicht beieinander. Inhalt des geprobten Spektakels ist eine bissige Parodie auf die biblische Schöpfungsgeschichte und die Christus-Passion, was – eben wegen des Probencharakters – Pointen und Gags wie am Fließband kreiert . . . 
Der Hit ist allerdings die Kreuzigungsszene. Golgatha wird – in Anspielung auf den Titel des Stücks – zum Berg mit drei Marter-Kreuzen, die auf zehn goldenen Stufen zu erklimmen sind. Rechts und links hängen komisch schreiende Kriminelle (Jannek Petri und Meik van Severen). Am Kreuz in der Mitte Goldberg, der sich im Verlauf des Stücks als ausgezeichnete Rollenbesetzung entpuppt, gut singen, sprechen und sogar tanzen kann . . .
Musikeinspielungen hatte schon Tabori vorgegeben – natürlich von Johann Sebastian Bach, der die 30 Variationen für seinen Schüler Johann Theophilus Goldberg schrieb, aber auch die „Carmen“-Ouvertüre und sogar „Hell's Angels-Musik“ in der 9.Szene. Die Musical-Fassung Waldens bietet zusätzlich englischsprachige Songs, steuert Geräuschkulissen bei und sorgt mit Blues-, Soul- und Rock-Elementen für einen wirkungsmächtigen Sound . . .

Badisches Tagblatt, Georg Patzer, 28.11.2016

Der jüdische Theaterautor und -regisseur George Tabori hatte ein einmaliges Talent dafür, Szenen aus dem jüdischen Leben so zu erzählen, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Auch in den "Goldberg-Variationen", in denen der Regisseur Jay auf einer anderen Ebene Jehovah höchstpersönlich ist. Ein Stück, in dem Juden auftreten, die sich kichernd überlegen, wie sie durch die Erfindung von absurden Geboten ihre Nachkommen ärgern können, und in dem auch der Antisemitismus in der bitter-ironischen, Tabori'schen Variante allgegenwärtig ist, denn die Juden "sind an allem schuld, auch am Wetter und an der Schwiegermutter" . . . etliche in Englisch gesungene Lieder mit deutschen Obertiteln machen das Stück zu einer knalligen Nummernrevue, die besonders im ersten Teil gut unterhält und bei der Uraufführung am Samstagabend oft durch Szenenapplaus unterbrochen wurde . . .
Der Karlsruher Inszenierung von Christian Brey gelingt es, bei allem Augenfutter, viel Slapstick und Anspielungen auf Bibelverfilmungen höchstens in Andeutungen, auch diesen Hintersinn zu zeigen.

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