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ALCINA

dpa, Martin Roeber, 17.02.2018

James Darrah, der junge US-amerikanische Regisseur, hat schon eine ganze Reihe von Händel-Opern erfolgreich inszeniert. "Alcina" ist sein Deutschland-Debüt. Seine Karlsruher Inszenierung blickt hinter die Kulissen des barocken Ausstattungs-Stücks. Und da entdeckt er eine Fülle von psychologischen Verwicklungen . . .

Darrah setzt auf eine ausgefeilte Personenführung. Da stehen keine schematischen Typen auf der Opernbühne, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Und so kann sich auch Händels inspirierte Musik entfalten, der es gelingt, jede Person überzeugend zu charakterisieren, jeder Gemütslage, von Eifersucht über Wut bis zu tief empfundener Liebe, musikalischen Ausdruck zu verleihen.

Und dafür sorgen nicht zuletzt die Deutschen Händel-Solisten, das hauseigene Spezialensemble. Unter der Leitung des Barockspezialisten Andreas Spering musizieren sie auf Originalinstrumenten. Über die Jahre ist das international besetzte Ensemble aus profilierten Musikern der Originalklang-Szene zu einem der führenden europäischen Barockorchestern gereift. Die Partitur von "Alcina" gibt den Musikern die Gelegenheit, auch solistisch zu glänzen. Und Solovioline, Cello, Piccoloflöte, Oboe und Hörner nutzen das zu brillanten instrumentalen Kabinettstückchen.

Auch die Sängerinnen und Sänger agieren auf Festspielniveau. Layla Claire ist in der Titelrolle ein echter lyrischer Koloratursopran. Ihr gelingen dramatische Wutausbrüche ebenso wie einschmeichelnde gefühlvolle Kantilenen. Der junge australische Countertenor David Hansen gehört inzwischen zur Champions League der Barockspezialisten. Er singt den verführt-verzauberten Ritter Ruggiero mit frappierender Geläufigkeit und Kraft selbst in den höchsten Lagen. Am Schluss gibt es einhelligen, langanhaltenden Jubel für alle Beteiligten.

FAZ, Lotte Thaler, 19.02.2018

Einsam steht sie auf der Bühne, in düster graues Licht getaucht, vor Schmerz fast zur Statue erstarrt, und richtet mit ihrem perfekt geführten Sopran ihre Arie „Ach, mein Herz“ frontal ans Publikum: Layla Claire verkörpert in Händels Zauberoper „Alcina“ die Titelrolle und wird mit dieser sarabandenartigen, nur mit Streichern begleiteten Klage zum Inbegriff der verlassenen Frau . . . Bei den Internationalen Händel-Festspielen in Karlsruhe wird der Begriff „Verkörperung“ zum Ausgang eines ästhetischen Konzepts . . .

Erfüllt wird die leer geräumte Bühne allein durch die Protagonisten. Ihre Auftritte und Arien inszeniert Darrah als choreographiertes Körpertheater . . . Die komplizierten und oft gegenläufigen Beziehungen zwischen den Paaren spiegeln sich in einem Bewegungsablauf, in dem die Personen regelmäßig den Halt verlieren und irgendwann auf dem Boden landen . . . Was Darrah und sein Assistent David Laera damit zeigen, ist eine existentielle Verunsicherung, denn am Ende weiß keiner mehr, woran er wirklich ist – ein zugespitztes, modernes Psychodrama über die Illusion der Gefühle.

Andreas Spering am Pult der Deutschen Händel-Solisten ist der Impulsgeber dieser Inszenierung. Ohne jede Manieriertheit hebt er die emotionalen Verwicklungen in Händels Musik her-vor und findet für jedes Stadium zwischen den Extremen „furioso“ und „desolato“ einen eigenen Ton.

Online Musik Magazin, Thomas Molke, 19.02.2018

Das Regie-Team um James Darrah stellt die Magie der Insel in einem sehr abstrakt gehaltenen Bühnenbild von Macmoc Design - dahinter verbergen sich die beiden Bühnenbild- und Lichtkünstler Emily MacDonald und Cameron Mock - von Anfang an in Frage . . .  Dezent gehaltene Projektionen und einzelne Goldreste deuten den ehemaligen Glanz noch an. Dabei gelingen Adam Larsen beeindruckende Video-Einspielungen . . . es gelingt Darrah, die Charaktere in einer durchdachten Personenregie glaubhaft herauszuarbeiten . . .

Musikalisch bewegt sich die Aufführung auf sehr hohem Niveau. Layla Claire, die bereits vor zwei Jahren in Karlsruhe als Tusnelda in Händels Arminio begeisterte, punktet in der Titelpartie mit dramatischem Ausdruck und kräftigen Höhen . . .

Im dritten Akt gestaltet sie die große Rachearie "Ma quando tornerai" mit scharf angesetzten Koloraturen und rührt sie dann wiederum mit ihrer letzten Arie "Mi restano le lagrime" als gebrochene Frau zu Tränen. David Hansen glänzt als Ruggiero mit sauber geführtem Counter, der in den Höhen über enorme Strahlkraft verfügt. Seine große Arie "Sta nell'Ircana" im dritten Akt, in der er sich als entschlossener Ritter im Kampf gegen das Zauberreich zeigt, avanciert mit den halsbrecherischen Koloraturen zu einem Höhepunkt des Abends . . . Ein weiterer Glanzpunkt des Abends ist Aleksandra Kubas-Kruk als Alcinas Schwester Morgana. Mit leuchtendem Sopran und glasklaren Koloraturen gestaltet sie die Verspieltheit der jungen Frau, die sich Hals über Kopf in den vermeintlichen Ricciardo verliebt und dafür ihrem langjährigen Geliebten Oronte den Laufpass gibt . . .

Andreas Spering zaubert mit den Deutschen Händel-Solisten aus dem Orchestergraben einen präzisen und filigranen Klang, so dass es am Ende des Abends großen Jubel für alle Beteiligten gibt.

Die Rheinpfalz, Karl Georg Berg, 20.02.2018

Eine Barockprimadonna unserer Tage, die der Titelrolle nun auch in Karlsruhe Würde und tragische Größe gibt, ist Layla Claire. Sie begeistert durch stimmlichen Wohllaut, edle Linienführung und verinnerlichten Ausdruck. Ganz im Einklang mit Händels Musik betont sie die gefühlvoll-elegischen Züge der Figur . . .

Aleksandra Kubas-Kruk singt mit luftig-leichtem Sopran und kesser Anmut die Morgana. Benedetta Mazzucato ist eine Bradamante mit sicher und virtuos geführtem, dazu klangschönem Mezzo. Klares Profil geben Alexey Neklyudov als Oronte und Nicholas Brownlee als Melisso ihren Partien. Die junge Sopranistin Carina Schmieger glänzt in der kleinen, aber feinen Rolle des Oberto durch bezaubernden Vortrag.

„Spiritus rector“ dieser musikalisch exzellenten Einstudierung ist Andreas Spering, der nach elf Jahren Pause wieder einmal am Pult der Deutschen Händel-Solisten steht. Seine Wiedergabe ist ungemein vielfältig und ausdrucksintensiv. So differenziert in Tempo, Dynamik und Klangfarben ist die Partitur selten zu hören. Immer wieder fasziniert der Dirigent durch seine Detaillösungen, welche die Sprachkraft und Sinnlichkeit der Musik kongenial steigern. Die Händel-Solisten spielen einmal mehr vorzüglich. Stellvertretend sei abermals die Solo-Oboistin Susanne Regel genannt . . .

Bei der Premiere im ausverkauften Staatstheater wurde die gut vierstündige Produktion einhellig bejubelt.

Badisches Tagblatt, Nike Luber, 19.02.2018

Klar ist hier nur eines: wer liebt, der leidet. Und je mehr jemand liebt, umso größer wird das Leid. Der Regisseur erzählt davon in sehr ruhigen, sehr ästhetischen Bildern mit einer streng durchchoreografierten Personenführung.

Am hervorragenden Solistenensemble gibt es vieles zu bewundern. Die Schönheit der Stimmen und die virtuose Stimmführung, die Konzentration auf die minutiös austarierten Bewegungen und nicht zuletzt die Kondition. Die Karlsruher "Alcina" nimmt sich Zeit für sämtliche Dacapos, und da verlassene Zauberinnen den Komponisten zu Höchstleistungen inspirierten, wird ausführlich und in den schönsten Tönen gelitten . . .

Layla Claire vermittelt das spannende Porträt einer selbstbewussten, erfolgreichen Frau, die zum ersten Mal in ihrem Leben zurückgewiesen wird, und das ausgerechnet von dem einzigen Mann, den sie aufrichtig liebt. Tief empfundenes Leid, aufflackernde Wut, Versöhnungsangebote und Verzweiflung, die kanadische Sopranistin singt das alles mit einer nuancenreichen, klangvollen, warmen Stimme, die Alcinas Arien zu den Höhepunkten der Oper machen . . .

Andreas Spering und die Deutschen Händel-Solisten tragen die Sänger mit nie nachlassender Aufmerksamkeit durch die gesamte vierstündige Oper. Atmende Tempi und lebendig pulsierende Rhythmik legen das Fundament zum musikalischen Erfolg der Karlsruher "Alcina". Hinzu kommen die klangschön musizierten Instrumentalsoli

BNN, Isabel Steppeler, 19.02.2018

Großartige Stimmen regieren den Abend . . .

Die Bühne (Macmoc Design) ist . . . ein schönes und festspielwürdiges Gemälde in gold-beiger Farbstimmung . . . Ein Kunstwerk. 

Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 19.02.2018

Umso mehr erstaunt die Lesart zum Auftakt der Händel-Festspiele im Karlsruher Staatstheater, die so elegant und schlank daherkommt, dass man ihre Wirksamkeit am Anfang noch unterschätzen könnte. Das hat sie mit der Titelheldin möglicherweise gemeinsam, hier der hinreißenden Kanadierin Layla Claire. Die Karlsruher Alcina singt ohne Manier mit einer ruhigen Macht, Natürlichkeit und auch natürlichen Süße. Die Leichtigkeit ihrer Stimme bei prächtigem Volumen ist tatsächlich bezaubernd. Dazu ist sie botticellihaft schön und gekleidet, und ihre Schwangerschaft lässt den letzten Argwohn schweigen . . .


Badische Zeitung, Georg Rudiger, 19.02.2018

Nun hat sich das Badische Staatstheater zur Eröffnung der 41. Internationalen Händel-Festspiele erneut dieses dreiaktige "Dramma per musica" vorgenommen – und bringt sie unter der Leitung von Dirigent Andreas Spering zum Blühen . . . Die Interpretation hat Biss und immer eine klare musikalische Richtung . . .

Das Pfund, mit dem diese "Alcina" wuchern kann, sind die Solisten, allen voran Layla Claire in der Rolle der Titelfigur. Ihre auch von der Regie stimmungsvoll beleuchtete Arie "Ombre pallide" (Bleiche Geisterschar) wird zum emotionalen Höhepunkt des Abends . . .

Aleksandra Kubas-Kruk ist eine überragende, kristalline Morgana. Benedetta Mazzucatos geerdete Bradamante hat Würde und emotionale Dichte. Mit Alexey Neklyudov (Oronte) und der Freiburgerin Carina Schmieger als souveränem, in der Höhe aufblühenden Knaben Oberto sind auch die Nebenrollen erstklassig besetzt . . .

SWR 2, Lotte Thaler, 17.02.2018

Der amerikanische Regisseur James Darrah, der in Karlsruhe sein Deutschland-Debut gibt, geht ästhetisch ganz eigene Wege . . .  Die seelische Befindlichkeit der von Liebe, Eifersucht, Rache, Kampfeslust und Treue getriebenen Protagonisten in Körpersprache sichtbar zu machen, das ist Ziel dieser ungeheuer konzentrierten und reduzierten Produktion: Körper-Pyramiden, Zweikämpfe, Ausdrucks-Tanz und Ballett, Suche nach engstem Körperkontakt und Abwehr sind die häufigsten Mittel . . .

Mit Andreas Spering am Pult der Deutschen Händel-Solisten hat Darrah einen gleichgesinnten Partner, dem Händels Musik mit ihrem emotionalen wie instrumentalen Reichtum ebenso am Herzen liegt wie dem Regisseur . . . Bühne und Orchester stimmen im gemeinsamen Grundpuls und im Zeitgefühl für die Arien bewundernswert überein.

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