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ANNA BOLENA

BNN, Rüdiger Krohn, 05.06.2018

Triumph der Musik

Begeistert, aber nicht ganz so verrückt war auch der Beifall bei der Premiere der neuen Einstudierung am Badischen Staatstheater, die optisch und vor allem musikalisch zu überzeugen . . . wusste . . .

[I]n der elegischen Wahnsinnsszene findet diese Anna [Ks. Ina Schlingensiepen] ganz zu selbst, und tatsächlich hat die Sängerin hier ihre besten Momente einer anrührenden Primadonnenkultur.

Neben ihr ist der fulminante Nicholas Brownlee ein Heinrich von majestätischem Format. Sein sicher sitzender Bass hat Fülle und dramatische Kraft, die das Element roher Wildheit und robuster Autorität singdarstellerisch packend umsetzt. Die glänzend auftrumpfende Mezzosopranistin Ewa Plonka als zerrissene Giovanna setzt dem Abend kraftvolle Akzente . . .

[D]er zügig, sinnlich und spannungsreich dirigierende Daniele Squeo am Pult der ausgezeichnet spielenden Staatskapelle gibt der Aufführung musikalisches Feuer und stiftet in schönster Belcanto-Manier animierende Impulse. In vorzüglicher Form präsentiert sich auch der Staatsopernchor (Leitung: Ulrich Wagner), der von der statuarischen Regie den größten Nutzen hat. Großer Jubel des Premierenpublikums.

Badisches Tagblatt, Nike Luber, 05.06.2018

Dick Birds Bühnenbild zur Neuinszenierung von Gaetano Donizettis Oper "Anna Bolena" in Karlsruhe spricht Bände . . . 

Ina Schlingensiepen gibt eine leidenschaftlich leidende Titelheldin. Koloraturen- und intonationssicher zeichnet sie die heftigen Erschütterungen nach. Ihre vermeintlich treueste Hofdame entpuppt sich als Rivalin, ihre alte Liebe zu Percy flammt wieder auf, sobald sie den überraschend Zurückgekehrten trifft, und dabei weiß Anna genau, wie gefährdet ihre Position am Hof schon ist. Das führt zu spannenden Ensembleszenen. Intensiv gestalten Schlingensiepen und Eleazar Rodriguez als Percy ihr heimliches Treffen, bei dem Anna ihrer Liebe entsagt. Rodriguez singt die Partie mit einem wunderbar weich und klangschön geführten Tenor, der auch in der Höhe nie angestrengt klingt. Belcanto pur.

Ein packendes vokales Duell geben Ina Schlingensiepen und Ewa Plonka in der Rolle ihrer Rivalin Jane Seymour. Beide waren am Premierenabend glänzend bei Stimme . . . Nicholas Brownlee passt optisch hervorragend zu seiner Rolle als Heinrich VIII., man könnte meinen, er sei direkt aus dem bekannten Porträt von Hans Holbein heraus auf die Bühne gestiegen . . .

Dilara Bastar kann hier ihre klangvolle Altstimme zur Geltung bringen . . . Ina Schlingensiepen hat im tragischen Finale ihren ganz großen Auftritt. Sie bringt grandios Annas Zustand zwischen Wahnsinn, Verdrängung und Hellsichtigkeit zum Ausdruck . . .

Die wie immer gründlich vorbereiteten Mitglieder des Staatsopernchors werden geschickt sozusagen als bewegte Elemente in das Bühnenbild integriert. Schlank im Ton und flexibel im Spiel begleitet die Badische Staatskapelle unter der Leitung von Daniele Squeo das Drama, spiegelt präzise im Orchesterpart die besungenen Gefühle. Die Karlsruher "Anna Bolena" ist auch ein Belcantofest für die Sänger, vor allem aber packendes Musiktheater.

Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 05.06.2018

Es ist prachtvoll, in Karlsruhe Ina Schlingensiepen (Anna) dabei zuzuschauen, wie sie schreitet, leidet, flattert und taumelt . . . : Plonka bietet eine fast raumsprengende, schwermütig grundierte Gala-Giovanna, Schlingensiepens Anna ist beweglicher, empfindlicher, leichter, eine typische, vom kruden Schicksal dem Wahnsinn entgegengeschleuderte Donizetti-Partie . . .

Brown, gebürtige Russin, vorwiegend in England tätig, zeigt in ihrer ersten Regie an einem deutschen Theater britische Geschmackssicherheit und Zurückhaltung. Die Devise scheint zu sein, eine kostbare Gestaltung zu bieten . . .

Der Chor, sehr diszipliniert einstudiert von Ulrich Wagner, wird glänzend gestellt und gesetzt. Der Jubel zwischendurch und am Ende lässt nicht zuletzt ein Publikum hören, das sich den lukullischen Belcanto liebend gerne in dieser gediegenen und adäquaten Form servieren lässt. Brown, die noch Leah Hausman für die „Bewegungsregie“ mit im Team hat, scheint eigentlich wenig zu unternehmen, aber das macht sie mit Geschick und Frische . . .

Man erlebt in Reinform, wie ein Orchester, geleitet von Daniele Squeo, in allererster Linie und mit Finesse den Sängern dient.

Die Rheinpfalz, Frank Pommer, 05.06.2018

Großartige Leistung des Solisten-Ensembles . . . Der Regie gelingen beeindruckende Standbilder, die in den Kostümen von Moritz Junge manchmal wie ein Renaissance-Gemälde wirken ...

Ina Schlingensiepen singt eine leidenschaftlich um ihre Ehre kämpfende Anna Bolena. Ein Frau, die weiß, dass sie dieses von Männern dominierte Spiel, in dem es letztlich vor allem um Macht geht, nicht gewinnen kann. Sie flieht in eine Innenwelt, in der sie das Glück ihrer Jugend mit Lord Percy (mit sehr geschmeidigem, höhensicherem Tenor: Eleazar Rodriguez) nochmals durchlebt, rettet sich in den Wahnsinn, um dann schließlich doch bei vollem Bewusstsein den Weg zum Schafott anzutreten. Nicholas Brownlee ist ein überaus stimmgewaltiger Heinrich VIII. Dieser König duldet keinen Widerspruch, er nimmt sich, was er will, und geht dabei sprichwörtlich über Leichen. Doch trotz seiner Stimmfülle gestaltet Brownlee auch die Koloraturen sehr sauber und direkt ansprechend. Die herausragende Leistung des Abends im Solistenensemble gelingt aber Ewa Plonka in der Rolle der Giovanna Seymour. Ihre Stimme leuchtet in den unterschiedlichsten, stets kräftigsten Farben, so dass aus dem reinen Schöngesang dramatischer Ausdruck wird ...

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