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WILLKOMMEN / أهلاً و سهلاً

Badisches Tagblatt, Ute Bauermeister, 15.01.2018

Nicolai Sykosch inszeniert das flotte Stück zurückhaltend mit feinen Details und lässt den Darstellern viel Freiraum. Auch Bühne und Kostüme (Stephan Prattes) unterstreichen die herausragende Wandlungsfähigkeit und Bandbreite der Schauspieler: ein schicker, cleaner Hochglanzwohnraum, ein bisschen wie ein riesiges Gesellschaftsversuchslabor, mit Tisch und bunten Stühlen, einer Waschmaschine, die im rechten Moment zu wackeln beginnt, einem Bügelbrett und dem zweitürigen Kühlschrank nebst Sofa, viel mehr braucht es nicht, um die mondäne WG als Spielfläche zu etablieren . . .

André Wagner schwingt kokett seine Hüften und bemüht sich während seines Plädoyers um Schonung. Am ehesten überzeugt er Sophie, der Ute Baggeröhr am Anfang eine zurückhaltende Strenge verleiht, bevor sie dann am Ende komplett ausrastend Stellung bezieht. Doro traut sich als einzige gegen arabische Männer zu wettern und spricht sich vehement gegen den Vorschlag aus. Lisa Schlegel legt als Doro in jedes Räuspern viel spielerische Kunst. Der Bankangestellte Jonas will eigentlich nur seine Probezeit überstehen und meldet daher Bedenken an, dass es ihm zu laut werde. In Hemd und Socken windet sich Jonathan Bruckmeier genüsslich um den heißen Brei herum und versucht bei aller Ablenkung ein kleines Tischtennismatch zu meistern.Paula Skorupa gibt vielschichtig die jüngste WG-Teilnehmerin Anna, die anfänglich schüchtern still, sich schließlich als schwanger outet, unwissend, ob sie das Kind will oder nicht. Ihr wäre es lieber, dass der Kindsvater anstelle der Flüchtlinge einzöge, allerdings ein Türke, der jedoch als "lustiger Kanakenhäuptling" im Scherz rassistischer daherkommt als all die anderen. Heisam Abbas mimt den Achmed mit nonchalantem Charme und schneller Zunge, ein echtes "wertkonservatives Sahneschnittchen" . . .
Viele Lacher und tosender Applaus belohnen großartige Darsteller und die gelungene Inszenierung einer zeitgemäßen Komödie.

BNN, Rüdiger Krohn, 15.01.2018

Den Darstellern im mitreißend spielfreudigen Ensemble lässt Sykosch lange Leine, und sie nutzen diesen Freiheit nach Talent und Neigung. André Wagner spielt den schwulen Benny mit Blick auf erhoffte Lacher als Karikatur einer urbanen Tunte, auch Lisa Schlegel als überdrehte, zunehmend besoffene Doro orientiert sich gerne an der Rampe. Das synthetische Kunstwerk einer verbiesterten WG-Megäre steuert mit gusseisernem Mut zur unfreiwilligen Komik Ute Baggeröhr als gescheiterte, dogmatische Sophie bei. Dass die Figuren in dem Stück nicht nur zitierte Meinungsinhaber sein müssen, sondern vitale Rollen sein können, belegt Paula Skopura als Anna, die die tiefe Verwirrung um ihre Schwangerschaft mit anrührender Intensität vorführt und mit ihrem eruptiven Monolog einen grandiosen schauspielerischen Akzent setzt . . . 
Der lange Beifall für die Mitwirkenden bescheinigte diesem „Willkommen“ einen schönen, willkommenen Erfolg. 

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