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GOLD!

BNN, Jens Wehn, 29.01.2018

Von kleinen säuselnden Flüsterwellen bis zu bedrohlichen Monsterwellen haben die vielen Kinder, die in den Zuschauerreihen des Karlsruher Insel-Theaters sitzen alles drauf. Das müssen sie auch, denn das Publikum ist in Anja Kühnolds Inszenierung der Kinder-Oper „Gold!“ ein wichtiger Mitspieler. Mit Gesten, mit Flüstern und Zischen stellen sie das brausende Meer dar . . .

Die Sopranistin Katharina Sebastian, die den Jakob singt und spielt hat viel zu tun. Sie muss nicht nur Jakobs Rolle singen und sprechen, sie muss auch als Erzählerin die Geschichte vorantreiben. Allein Thorsten Gellings ist ihr dabei Spielpartner. Der gibt Jakobs Freund und Spielkameraden, spricht für den Fisch und ist der einzige Musiker in dieser Oper. Am Schlagwerk mit Xylophon, Vibraphon, Gong und manch anderen Instrumenten gestaltet er die Oper musikalisch aus. Und das ist eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe . . .

Die Musik steigert sich in ihrer Intensität über mehrere Ebenen, korrespondierend mit dem vielschichtigen Bühnenbild von Tilo Steffens und den weiteren Wünschen . . .

Oft sind jazzige Elemente auszumachen, daneben frei erzählende Musik, die sich nicht um braven Wohlklang schert. Mit jedem Wunsch an den Fisch werden die Wellen bedrohlicher, die Kinder im Publikum haben mehr zu tun und der Fisch wird immer kleiner . . .

 

Badisches Tagblatt, Ute Bauermeister, 29.01.2018

. . . Tilo Steffens hat eine schlichte und dennoch magische Bühne geschaffen. Zu Beginn sind es scheinbar einfache Bretter, wie Bootsstege auf unterschiedlichen Ebenen mit farbigen Unterkonstruktionen. Im Laufe der einstündigen Aufführung füllen sich diese Bretter, aus ihnen wird erst ein Haus mit Blumentapete, dann ein Palast mit goldenen Vorhängen. Da übergroße Stoffgummibärchen und jede Menge anderer Leckereien sowie Mobiliar aufgeräumt werden wollen, muss schließlich noch Personal her, in Form von großen "Mensch ärgere dich nicht"-Figuren aus Holz. Bunte Neonröhren sowie Lichtkreise an der Wand sorgen für Jahrmarktstimmung - ein echter Augenschmaus, der die Fantasie aller gebannt lauschenden Betrachter beflügelt.

Fleißig helfen die kleinen wie die großen Besucher beim Wellengang und heben die Hände, um für stürmisches Meer zu sorgen. Unter der Regie von Anja Kühnhold spielen, singen und musizieren Katharina Sebastian als Jacob und Thorsten Gellings als dessen Freund so beherzt kumpelhaft und mitreißend, dass es ein großer Spaß ist, den beiden zuzusehen. Beiläufig entdecken sie die Instrumente, staunen über deren Töne und öffnen sowohl Ohren als auch Herzen für die Musik.

Wenn die Mezzosopranistin Sebastian ihre ersten Sequenzen singt, kehrt absolute Stille ein, der Gesang intensiviert den Ruf nach dem Fisch und bleibt im Ohr. Mühelos wechselt sie vom Sprechen zum Singen, während Gellings dem Schlagwerk, darunter Marimba und Vibrafon, wunderbare Klangpoesien entlockt und auch eine Kiste mit Steinen als Instrument nutzt. Gelenkig eilen die beiden Freunde hin und her, zwischen den Holzfiguren-Eltern und dem glitzernden Fisch, der durch die nimmer enden wollenden Wünsche immer kleiner und kraftloser wird . . .

 

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