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STAATSTHEATER erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus mit einem Sonderkonzert und einer Ausstellung

Generalintendant Peter Spuhler und Danny Mulheron, Enkel des Komponisten Fuchs, - Foto: Chris Frühe

Das Gedenken an die Verfolgten des Nationalsozialismus und die Erinnerung an ermordete und vergessene Künstler*innen ist dem STAATSTHEATER ein großes Anliegen. Aus diesem Grund widmete es am 28. Januar 2020 den Karlsruher Brüdern Richard und Gottfried Fuchs sein 2. Sonderkonzert und eine Ausstellung.

Generalintendant Peter Spuhler begrüßte: „Es ist uns eine Ehre, heute mit einem Konzert und einer Ausstellung an die Karlsruher Brüder Richard und Gottfried Fuchs erinnern zu können und die europäische Erstaufführung des Oratoriums Vom Jüdischen Schicksal zeigen zu dürfen. Besonders freut mich, dass viele Angehörige der für Karlsruhe so wichtigen Familien Fuchs heute bei uns sind. Dieses Zurückkommen ist nicht selbstverständlich, es berührt uns sehr. Das Konzert geht auf eine Initiative des Orchesters zurück und es macht mich stolz, dass aus diesem Herzen des STAATSTHEATERS heraus das Gedenken und Erinnern so wichtiggemacht wird. Es ist ein klares Zeichen gegen Intoleranz, gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus und für eine offene und tolerante Gesellschaft, in der man einander achtet. Der Artikel eins des Grundgesetzes an Fassade des Theaters ist hierfür unser klares Statement: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das STAATSTHEATER sieht sich als offenes Haus für eine offene Gesellschaft. Mein Dank geht auch an die Stiftung Lichterfeld, die sich mit ihrer Initiative Echospore insbesondere verfolgten Komponist*innen widmet. “

Kulturbürgermeister Dr. Albert Käuflein sprach auf der Bühne des GROSSEN HAUSES: „Erinnerung ist immer ein Ringen um Worte, was soll man zu diesen Ereignissen sagen, Worte sind begrenzt. Das STAATSTHEATER, die STAATSKAPELLE und der Bachchor geben uns heute die Möglichkeit über das, was Worten möglich ist, hinauszugehen. Mit dem Konzert und der Ausstellung werden drei große Karlsruher geehrt – Richard und Gottfried Fuchs, sowie Julius Hirsch - denen nicht wiedergutzumachendes Unrecht widerfahren ist. Wir ehren, wir erinnern, aber wir mahnen auch. Ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur in unserer Stadt.“
Für Kulturamtsleiterin Dr. Susanne Asche bedeutete das Konzert vor allem einen „wesentlichen Beitrag dazu, dass das, was die Nationalsozialisten wollten, nicht gelungen ist: Die Werke jüdischer Künstler*innen sind nicht vergessen, sondern ein Teil unseres Kulturerbes, unserer Geschichte.“

In der Kriegsstraße 120 erreichte Richard Fuchs 1937 die Nachricht des „Reichsverbands der jüdischen Kulturbünde in Deutschland“: Jegliche Aufführung seines Werkes Vom jüdischen Schicksal wurde von der „Reichskulturkammer“ verboten. Der Karlsruher Jude, promovierter und im Stadtbild immer noch sichtbarer Architekt, verlegte sich nach dem Berufsverbot zwei Jahre zuvor auf die zweite Leidenschaft, das Komponieren.Nach den Pogromen 1938 und einer Verhaftung ins KZ Dachau gelang ihm gerade noch die Flucht nach Neuseeland, sein sportlicher Bruder Gottfried war bereits ein Jahr zuvor nach Kanada emigriert.

„Wenn wir nachher die europäische Uraufführung des Oratoriums Vom jüdischen Schicksal von Richard Fuchs hören, so hätte das eigentlich 1937 stattfinden sollen. Wir sind 88 Jahre zu spät und das zeigt, wie lange es gedauert hat, bis überhaupt Aufarbeitung und angemessenes Gedenken stattgefunden hat. Gemeinsam wollen wir in Gegenwart und Zukunft Erinnern. Gegen das Vergessen, die Erinnerung wachhalten. Das ist oberste Prämisse in der heutigen Zeit“ betonte Peter Spuhler.

Danny Mulheron, Enkel des Komponisten Fuchs, las die Mitteilung vor, die besagte, dass der Genehmigungsantrag für das Oratorium Vom jüdischen Schicksal von der Reichskulturkammer abgelehnt wurde. Mulheron wandte sich an das Publikum des Sonderkonzertes: „Hier zu sein, ist eine Art Nachhause Kommen für uns, es ist aber vor allem für Richard ein Triumph gegen das Vergessen. Er wollte nie als jüdischer Komponist beurteilt werden. Er wollte, dass seine Musik für sich steht und die Möglichkeit hat, von einem Publikum aus seiner Heimat Deutschland gehört zu werden. Nach 83 Jahren Schweigen sind wir dankbar, diese Gelegenheit heute Abend zu bekommen.“

Richard Fuchs´ Bruder Gottfried, war erste jüdisch-deutsche Nationalspieler. Er prägte vor und nach dem 1. Weltkrieg den Deutschen Fußball maßgeblich. Er führt bis heute gleich zwei Statistiken der Fußballnationalmannschaft mit Rekorden an: Zehn Tore in einem Spiel und die meisten Tore pro Spieleinsatz. An ihn erinnert eine Ausstellung, die an diesem Abend eröffnet wurde und die mit Unterstützung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund, dem Karlsruher Fußball Verein und dem Jüdischen Museum realisiert wird. „Es gibt nur zwei deutsche jüdische Nationalspieler. Beide kommen aus Karlsruhe. Es macht also unbedingt Sinn, diese Ausstellung in der Geburtsstadt von Gottfried Fuchs und Julius Hirsch zeigen zu können“ so der Direktor des Deutschen Fußballmuseums Manuel Neukirchner. Die Ausstellung wird noch bis Ende April im FOYER des STAATSTHEATERS zu sehen sein.

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