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BNN, Susanne Schiller, 19.11.2018

Rafaelle Queiroz, damals noch eine junge Darstellerin in der berühmten Doppelrolle des weißen und des schwarzen Schwans, hat die Gelegenheit als nunmehr reifere Tänzerin eine Entwicklung spüren zu lassen und Andrey Shatalyin, der damals schon als Zauberer das Schicksal des verliebten Siegfried herausforderte, zieht weiter ausdrucksstark seine dämonischen Kreise.
Thiago Bordin [verlieh] mit seiner eleganten und gleichfalls kraftvollen Tänzerstatur … der Aufführung jenen Glanz, den das große weiße Ballett vornehmlich in der Vorweihnachtszeit entfalten soll. Der routinierte Tänzer gab Rafaelle Queiroz jenen Halt, den die tänzerisch-technisch anspruchsvolle Partie erfordert und gestand ihr jene Wirkung zu, die sie zur herausragenden Ballerina im 18-köpfigen, durch Schülerinnen der Mannheimer Akademie aufgefüllte Schwanen-Corps macht.
Die temperamentvolle Solistin zeigte, dass ihr eher die verführerische Odile liegt als die leise, gefühlsbetonte Odette. Folglich geriet der große Pas de deux im dritten Akt mit den makellosen 32 Fouettées zum bejubelten Glanzpunkt der Premiere. Zweifellos, die Inszenierung von Christopher Weehldon, einstudiert von Anastacia Holden und Jason Fowler, ist schön anzuschauen. … Schwanensee ist ein Ballett für Tänzerinnen, die in immer wieder wechselnden Formationen die Schwanenschar markieren und fast durchgehend, wenn auch manchmal in den Seitengassen nur schemenhaft erkennbar, gefordert sind. Unter diesen tun sich traditionell die vier kleinen Schwäne (Moeka Katsuki, Momoka Kikuchi, Carolin Steitz und Sabrina Veloso) hervor, die diese beliebte Paradevariation akkurat präsentierten. Bei den Nationaltanz-Divertissements stachen die Solistinnen Blythe Newman (Russischer Tanz) und Harriet Mills (Csárdás) heraus. Im Pas de trois im ersten Akt bewies der quirlige Pablo Octavio unter den männlichen Darstellern seine bemerkenswerte Sprungkraft.
Die Badische Staatskapelle unter dem Dirigat des jungen Schweizers Dominic Limburg steuerte mit großem Aplomb und zugleich konzentriert die eingängige Tschaikowsky-Musik bei, wobei Janos Ecseghy als eindrucksvoller Soloviolinist hervortrat. Das Orchester wie auch die Tänzer wurden bei der Premiere begeistert gefeiert.

Badisches Tagblatt, Sabine Rahner, 19.11.2018

… Wheeldon [hat] die streng geometrischen Schwanen-Formationen der „weißen Akte“ spielerisch aufgelockert, die hier gelegentlich wie fließende Girlanden wirken. Insgesamt hat er die Gruppen-Bewegungen dynamisiert und die Divertissements bunter, vielfältiger und auch witziger gemacht.… Wheeldon lässt die Tänzerinnen typische Degas-Bilder nachstellen – der Griff an die Frisur, das Nesteln an den Bändern der Spitzenschuhe, der kontrollierende Blick in den Spiegel – da stimmt alles, bis hin zur blassgrünen Farbe des Umschlagtuchs. Die Kostüme von Jean-Marc Puissant setzen den kenntnisreichen Charme dieser Bilder perfekt um. … Andrey Shatalin gibt diese gefährliche Figur [den bösen Zauberer Rotbart] in einer Art Vampir-Aufmachung.
In der Doppelrolle der Odette/Odile – einer der anspruchsvollsten Rollen im klassischen Ballett – glänzt die Karlsruher Solistin Rafaelle Queiroz. Sie hat bereit 2009 diese Rolle kreiert, zeigt jetzt noch deutlich mehr Ausdrucksstärke, wunderbar fließende Arme als Schwanenkönigin und brillante Technik als dämonisch-verführerische Odile. Ihr Prinz ist der charismatische Thiago Bordin, auch er wie Queiroz aus der Tanzstiftung von Birgit Keil hervorgegangen und lange bei John Neumeier im Engagement. Bordin präsentiert sich in dieser Saison auch noch als Choreograf in Karlsruhe.
Schwanensee ist eine Top-Leistung des gesamten Ensembles. Tschaikowskys schwelgerische Ballettmusik wird von der Staatskapelle unter der Leitung von Dominic Limburg gespielt.

Die Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 19.11.2018

… Es setzt ein mit Szenen aus dem Ballettsaal, die in Stimmung und Kostüm (Jean-Marc Puissant) unverkennbar durch Impressionen von Edgar Degas geprägt sind und deren duftiger Stil in den hinreißenden Bühnenbildern von Adrianne Lobel eine nachhaltige Wirkung erzielt.

Die Märchenwelt der Handlung entwickelt ein magisches Eigenleben, in der sich Prinz Siegfried allmählich verliert. Folgerichtig sind auch die Schwäne, die Odette in ihrer Sphäre begleiten, weitgehend zu sylphenhaften Tänzerinnen stilisiert, was dem sensiblen Drama zwischen See und Saal eine irisierende Flüchtigkeit verleiht. … Das ist … insgesamt berückend gelungen, und vor allem in den herrlichen „weißen Akten“ setzt die Aufführung wahrhaft bezaubernde Akzente – auch wegen der vorzüglichen Leistung der 18 „Schwäne“, die das tänzerische Niveau des Abends eindringlich bekräftigen. In der anspruchsvollen Doppelrolle der Odette/Odile, zeigt Rafaelle Queiroz, die diese Aufgabe auch schon vor neun Jahren als blutjunge Tänzerin übernommen hat, wie sehr sie in der Zwischenzeit an künstlerischer Reife und tänzerischer Kompetenz gewonnen hat. … gerade in dem Pas de deux des dritten Aktes entwirft sie ein virtuos geschärftes Porträt der dämonischen Odile im Kontrast zur empfindsam zarten, verletzlichen Odette. Als Siegfried gastiert der exzellente Tänzer Thiago Bordin, der durch mehrere choreografische Arbeiten auch in Karlsruhe gut ausgewiesen ist und nun bei seinem Rollendebüt als nobler Prinz in Ausdruck und Technik eine vorzügliche Leistung beisteuert. Den diabolischen Zauberer Rotbart nähert Andrey Shatalin wie schon 2009 dem bedrohlichen Nosferatu an, und im „russischen Tanz“, der hier als lasziver Strip angelegt ist, brilliert abermals Blythe Newman.
Auch in den anderen großen und kleinen Ensembles zeigt sich das Karlsruher Ensemble in bestechender Form – ob nun im exzellent ausgeführten Pas de trois des ersten Aktes (mit Harriet Mills, Lisa Pavlov und Pablo Octávio) oder im unverzichtbaren, populären Auftritt der vier kleinen Schwäne. Die Badische Staatskapelle unter der animierten Leitung von Dominic Limburg entfaltet die überwältigende Tschaikowski-Musik zu süffiger Klangpracht und hat am großen, verdienten Erfolg dieser Schwanensee-Umsetzung gewichtigen Anteil.

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